Das war er also, mein erster Marathon!

Wer hätte das gedacht? Vor 3 Jahren noch...

und nun: 42,2 km am Stück laufen, in weniger als 4 Stunden.

Geträumt hatte ich davon eigentlich erst seit etwa einem Jahr, vorher hätte ich mir das gar nicht vorstellen können. Aber mit dem ersten "Halben" im Frühjahr 2009 kam die Überlegung:

..."warum eigentlich nicht?!"

Also begann ich im Winter mit der Vorbereitung:

 


 

Marathonvorbereitung

Ja, dieser Winter, ausgerechnet DIESER Winter! Mit unendlich viel Kalt, Schnee, Eis. Aber egal, der Trainingsplan aus Herbert Steffnys Laufbuch wurde akribisch eingehalten!

Ich kam ohne größere Verletzungen oder sonstige Pausen davon. 12 Wochen Training mit langen Läufen auch mitten in der Woche (22 km Morgens vor der Arbeit), und den ewig langen Läufen am Sonntag.

Zur Vorbereitung gehörten dann auch der Halbmarathon in Berlin am 28. März und natürlich die Algarve - unser 2. Laufcamp.

 

Die letzten 2 Wochen davor:

Seit Januar habe ich in diesem Jahr fast 900 km trainiert. Da sollten doch 42,2 km auch noch gehen! Und dennoch vor dem nahenden Höhepunkt die quälenden Fragen:

- war es genug?

- habe ich alles richtig gemacht?

- die Leiste zwickt, das Knie ziept etwas, wird es mich zurückwerfen oder steht der 1. Marathon gar in Frage?

Selbstzweifel, Phantomschmerzen, alles, was so laut Lehrbuch passieren kann, ist eingetreten.
Warum die Aufregung? In meinen früheren Läufen wusste ich halt, was auf mich zukommt. Alle Strecken habe ich im Training mehrfach in der Vorbereitung trainiert. Beim Marathon endet das Training 7-8 km vor dem Ziel. Weiter als 32 km bin ich im Training nicht gelaufen!

Doch WAS kommt nach km 32???

Naja, das werde ich ja bald sehen. Das Tapering (Erholungsphase vor dem Wettkampf) kann aber auch nerven: du weißt, dass es gut ist, weniger zu tun, hast aber ein schlechtes Gewissen dabei. Also gut: wir fahren dann am Freitag vor dem großen Tag mal los. 

Endlich in Hamburg!

Abends ins Hotel (super Zimmer, ein Apartment mit allen Schikanen- hervorragend geeignet für die akribische Selbstversorgung mit Kohlenhydraten vor dem Lauf), und anschließend gleich mal ab in die City.

 

   

Bus fahren ist angesagt

 

was ist das? Bus mit Bibliothek

Und wo soll es hingehen?

NA KLAR!

Reeperbahn!!!

 

Gut, den nächtlichen Besuch auf der Amüsiermeile haben wir ohne Alkohol- und sonstige Exzesse überstanden. War ja auch klar, oder? Und nach diesem sündigen Fastfehltritt nun zum Sportlichen!

Am Sonnabend musste natürlich die Marathon-Messe sein! Schon wegen der Startnummer, die es ja nur dort gibt. Eigentlich ein Steinwurf vom Hotel entfernt, aber so blöde gelegen, dass wir erst in die City und von da mit dem Shuttle -am Hotel wieder vorbei- zur Messe im Freihafen gefahren sind. Dort dann das übliche:

- Startnummer holen

- über das schlechteste Finnisher-Shirt aller Zeiten ärgern (und das für 15 €!)

- auf den Messeständen Mega-Rabatte erwarten und dann doch nicht finden,

- Füße platttreten (und das vor dem Marathon - oh je!)

 

 

 

 

- aber dann noch Freunde treffen, Sabine Nord (die sich den Marathon auch vornahm), Sabine Süd (nein nicht Binchen - noch eine Sabine) nebst Ehemann. Hatten wir während unserer Laufurlaube an der Algarve kennen gelernt, und uns natürlich für Hamburg verabredet.

So sind dann auf diesem Bild 3 Sabines zu sehen:

 

  

Und die Aufregung steigt! Der Tag ist gekommen.

Sonntag, 25. April 2010.

Der Möbel-Kraft Marathon Hamburg. Mein erster. Zielvorgabe war eine Zeit von 03h, 45 min.

 

Früh genug aufgestanden, gefrühstückt (hatten wir doch ein tolles Apartment mit Küche, so dass der optimalen Vormarathonernährung nichts mehr im Wege stehen sollte). Und viel zu früh am Startort (wieder einmal die Reeperbahn, aber am Tage) angekommen.

 

 

Hej, was macht man da, so früh, so kalt, so uffg´regt?

 

 

 

-erst mal ´nen Kaffee nehmen!!!!

 

 

 

 

und cool bleiben...

 

...und PiPi nicht vergessen (ist ja noch leer an den Plastikklos). Davon gibt´s jetzt aber mal kein Bild, also nee!

Dann endlich sollte es an die Startlinie gehen. Ooch, wenn doch endlich der Schuss losgehen würde. Nö, geschossen wird hier nicht. Schiffsglocke ist in Hamburg angesagt. Und ab: erst mal 5 km mit der Masse mit traben. Tempo war aber o.k.

Immer lang anner Reeperbahn. Am Tage ist sie echt langweilig und hässlich! Aber gut, hier wird gelaufen und nicht geheiert (hier soll ja der Begriff "Heiermann" für das Fünfmarkstück herkommen, weil man nach dem Kriege in Hamburg für einen "Heiermann" (5 Mark) nicht allein schlafen musste).

So ein Zeug geht einem durch den Kopf, wenn man nur lange genug läuft.

Touristisch ist ja die Strecke ein Erlebnis! Der Überseehafen, die Landungsbrücken...

 

...die Binnenalster... wirklich schön. Mit Fug und Recht kann ich behaupten, es war mein schönster Marathon! Ähm, naja, war ja auch der erste... aber war toll, bis zur Halbmarathonmarke alles o. k., gut im Zeitplan, nicht zu erschöpft. Auch wenn die Zeit darauf hindeutete, dass es mit 03:45 Stunden wohl eng werden könnte.


Aber irgendwie ging es dann nicht so recht weiter. Naja, weiter ging es schon, aber die Zeit verging nicht. Verdammt, noch 20, 17, 15 km. Wann kommt der berüchtigte Hammermann? Am nördlichsten Punkt war er jedenfalls nicht zu sehen.

 

Gut, es war jetzt nicht so, dass ich noch ganz frisch gewesen wäre. Die Beine waren schon schwer, und wenn das Ziel hier schon aufgebaut gewesen wäre, wäre ich wohl nicht unbedingt weiter gelaufen. Aber Kreislauf in Ordnung, guter Rhythmus, so konnte es weiter gehen. Wenn die Zeit nur schneller vergehen würde!


Doch dann: bei km 30: die Wade. Die linke. Verdammt, ja, hatte ich fast vergessen: in der Vorbereitung hatte ich abends mal so einen tollen Tempolauf, da war ich so schnell, wie ich es nicht erwartet hätte. Prompt kleine Zerrung geholt. Nach ein paar Tagen vergessen.

Oh, sie hatte sich nur versteckt. Ich wusste, beim langsamen Laufen kein Problem, also machte ich langsamer.

Der Rest des Körpers hatte plötzlich Sympathie mit der Wade und erklärte seinen Dank. Nur der Kopf nicht: nö, Tempo halten, Ziel unter 4 Stunden ist Gesetz, wenn es schon nicht mit 03:45 h klappt. Also, gerade so auf dem Schmalen Grat gewandert, nee, gelaufen.

 

Und ich sah immer noch ganz gut aus, finde ich.

(den Bauch habe ich mir unterwegs "angefressen", Ehrenwort!

Alle 2 km trinken, Dazu gab es Bananen, Riegel,... hatte ich doch Sorge, mir könnten die Kohlenhydrate ausgehen.

 

  

Irgendwie ging es dann so weiter. Rechts und links von mir immer mehr Läufer, die ins Walken übergehen mussten. Zu Schnell angegangen. Das hat mich einerseits verunsichert, mir Angst eingejagt. Sie sahen ja nun nicht gerade untrainiert aus. Aber ich redete mir ein, dass der Hammermann mit denen genug zu tun hätte, und mich dann gar nicht beachten könnte.

Es ließen sich sogar unterwegs einige von knuddeligen Helferinnen massieren... Hamburger Service? Na gut, dazu hatte ich keine Zeit. Und wie würde ich Sabine erklären, wenn ich so spät ins Ziel komme?

Und wie ich so in Gedanken bin (Lüge, ich habe die letzten 2 km nichts anderes gedacht, als: wo ist das Ziel? 2 km können doch nicht sooo weit sein?) kam dann das Ziel auf mich zugelaufen (oh, das Gehirn wird nicht mehr genug mit Sauerstoff versorgt, ich habe mich natürlich ins Ziel geschleppt, ein kleiner Endspurt ging aber immerhin noch).

Drin! ja, der erste Marathon! Drin! im Ziel. Und sogar brutto noch unter 4 Stunden. Drin!

 

 

 

 

Nach genau 3 Stunden, 59 Minuten und 51 Sekunden ab Glockengeläut war ich im Ziel!

macht netto: 3 Stunden, 55 Minuten, 34 Sekunden

 

geschafft!

Mein erster Marathon ist Geschichte. Ordentlich gelaufen, happy, ja, aber ein bisschen kneift es im Ohr: hätte auch etwas schneller sein können. Oder nicht? War ich gerade so an der Grenze zum körperlichen Zusammenbruch? Was wäre, wenn... Egal, das erfahre ich erst in einem meiner nächsten Marathons.

Wann?

Mal sehen! Ist schon ein wahnsinniger Aufwand. Warten wir es ab. Jetzt geht´s erst mal wieder an die "kurzen" Strecken: 10 km, Halbmarathon.

Während ich jetzt, in der Nachbereitung, wieder laufen lerne, sage ich mal

Tschüss! Und danke für die geduldige Leserei!

 

thomas@kahome.de